--- title: 'Vom Wireframe zum Clickdummy — Prototyp in 4 Schritten' date: '2020-10-26' description: 'Wie aus einer ersten Skizze ein funktionsfähiger Clickdummy wird — ein Erfahrungsbericht in vier Schritten zur agilen Produktentwicklung.' keywords: - 'agile produktentwicklung' - clickdummy - mockup - prototyp - wireframe canonical: 'http://innovation-agents.de/blog/prototyp-erfahrungsbericht' language: de author: 'Andreas Keßler' image: 'https://cms.innovation-agents.de/assets/bd00b771-c825-4392-8f82-bd3d0cca9ee5?key=blog-post' --- Die Vorteile von Prototypen liegen auf der Hand. Sie ermöglichen eine unkomplizierte, oft interaktive Darstellung des späteren Produkts und beugen somit Verständnisproblemen vor. Zudem helfen sie, den Entwicklungsprozess dynamischer und kreativer zu gestalten, weil Stakeholder und Entwicklungsteam anhand des Prototyps Anforderungen und Ideen konkreter kommunizieren können. Prototypen sind echte „ Innovations-Katalysatoren“ für nahezu jeden Entwicklungsprozess. Doch gute Prototypen fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis eines durchdachten Denk- und Visualisierungsprozesses, den der nachfolgende Erfahrungsbericht in vier bewährten Schritten beschreibt: ### Schritt „0“: Der Kundenblick – für eine stärkere Bedürfnisorientierung Er mag selbstverständlich wirken und kommt doch immer wieder zu kurz: der empathische Blick auf die Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen des Kunden. Denn auch der Prototyp dient nicht dazu, die Genialität und Kreativität des Entwicklers zu beweisen, sondern eine konkrete Aufgabenstellung zu lösen, die sich aus den Anforderungen des Auftraggebers ergibt. Die genaue Betrachtung der Kundenwünsche ist daher bei der Erstellung eines Prototyps – wie im gesamten Entwicklungsprozess auch – der „Schritt 0“, der vor allen anderen Schritten getan werden muss, um bedürfnisorientierte und somit auch schlanke Prototypen bzw. Produkte zu gestalten. ### Schritt 1: Die Mindmap – damit keine Anforderung aus dem Blick gerät Ganz gleich, ob analog oder digital, eine Mindmap hilft immer, Klarheit über die grundsätzliche Struktur und den Umfang des späteren Prototyps zu erhalten. Kundenwünsche können in erste konkrete Anforderungenübersetzt werden: Welche Inhalte und Funktionen dürfen nicht fehlen? Braucht es ein Login und deshalb auch entsprechende Registrierungsoptionen? Ist eine Bearbeitungsfunktion notwendig? Welche sonstigen Einstellungen sollten festgehalten werden? Auch eigene Ideen und offene Fragen können einen Platz in der Mindmap finden. ### Schritt 2: Die Skizze – für eine klare Struktur und schlanke Produkte Bei allen technischen Möglichkeiten geht nichts über eine einfache Skizze, wenn es gilt, die benötigen Anforderungen und Inhalte in eine konkrete Navigation und Anwendungsstruktur zu übersetzen. Ihre Schlichtheit ist dabei die besondere Stärke der Skizze. Da Details, wie Technik, Farben oder Darstellung noch keine Rolle spielen, landet auf dem Papier nur, was wirklich wesentlich ist und tatsächlich gebraucht wird. Die Skizze ist somit eine wertvolle Hilfe, um eigene Gedanken zu strukturieren und so ein möglichst hohes Maß an Klarheit für das spätere Produkt zu erhalten. Ein Verlieren in „Schnörkeleien“ und Details wird vermieden. ### Schritt 3: Das Mockup, der Clickdummy – für eine dynamische Produktentwicklung Viele Entwickler\*innen schalten zwischen Papierskizze und Mockup zunächst ein Wireframe als Low-Fidelity-Prototyp zwischen, um einen Übergang von der Skizze zur Anwendungsoberfläche zu gestalten, ohne sich dabei bereits Gedanken über die konkrete Gestaltung einzelner Designelemente machen zu müssen. Herrscht ausreichend Klarheit über die wichtigsten Merkmale der Design-Handschrift des Auftraggebenden, kann dieser Schritt allerdings übersprungen und direkt mit der Gestaltung eines Mockups im Sinne eines High-Fidelity-Prototypen begonnen werden. Das Mockup ist das erste präsentationsfähige Arbeitsresultat, das sich gut eignet, um dem Auftraggeber einen ersten Eindruck zum Produktentwurf zu geben und das weitere Vorgehen abzusprechen. Der Übergang vom Mockup zum Clickdummy bzw. Prototyp kann fließend gestaltet werden, indem das zunächst statische Mockup um verschiedene Klickfunktionalitäten erweitert wird, wodurch oft erste Aufgabenpakete für den späteren Entwicklungsprozess abgeleitet werden können. Eine organischere und dynamischere Produktentwicklung wird möglich. ### Schritt 4: Der „Abschied“ – damit Aufwand und Nutzen im Verhältnis bleiben Die große Stärke von Prototypen besteht darin, dass sie mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand eine sehr realitätsnahe Visualisierung des späteren Produktes ermöglichen und so eine gute Kommunikationsgrundlage für die Beratungen zwischen Entwicklungsteam und Stakeholdern bieten. Dennoch ist es wichtig, sich ab einem gewissen Punkt vom Prototyp zu lösen und stattdessen direkt am späteren Produkt zu arbeiten, da der Aufwand zur Pflege und Aktualisierung des Prototyps in der Regel nicht mehr im Verhältnis zu dessen Nutzen steht. Dafür gewinnt die Komponentenbibliothek bzw. der Living Styleguide an Bedeutung, der als eigene kleine Anwendung die wichtigsten UI-Bestandteile des Produktes (wie z. B. Größe und Farben von Schrift, Buttons und Eingabefeldern) darstellt und permanent zugänglich macht.